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Zu den Fachleuten: Who is who?

Psychische Störungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen können von verschiedenen Berufsgruppen mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten behandelt werden. Dadurch kommt es zu einer verwirrenden Vielfalt von Behandlern, deren Leistungen nicht immer von den (gesetzlichen und privaten) Krankenkassen bezahlt werden. Um etwas Licht in diesen Dschungel zu bringen, beschreibe ich im Folgenden die wichtigsten Gruppen von Fachleuten, deren Ausbildungen und inhaltliche Ausrichtungen

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Psychologische Psychotherapeuten

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (kurz "KJP"):

Zu dieser Berufsgruppe gehöre ich. KJPs haben eine Approbation (staatliche Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde) und sind psychotherapeutisch tätige Psychologen, Pädagogen oder (in sehr seltenen Fällen) Ärzte, die sich auf die Diagnostik und Behandlung von psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen bis zum 21. Lebensjahr spezialisiert haben.

KJPs haben damit ein psychologisches oder pädagogisches Studium vollständig absolviert und danach eine postgraduale fachkundliche Weiterbildung mit dem Schwerpunkt Kinder und Jugendliche durchlaufen. Während dieser Weiterbildung haben sie in Kinder- und Jugendpsychiatrien und/oder -psychosomatischen Kliniken und in sozialpsychiatrischen Praxen oder Beratungsstellen gearbeitet, an den Wochenenden Theorieseminare besucht und selbstständig unter fachkundiger Supervision erfahrener Kollegen (oft mittels Videofeedback oder Demo-Therapiestunden) Patienten behandelt. Diese Weiterbildungen sind sehr umfangreich, umfassen insgesamt 4200 Arbeitsstunden und dauern zwischen 3 und 5 Jahren.

Ein KJP ist, gemäß des Ausbildungsstandes und Abschlusses, als einem Facharzt gleichgestellt anzusehen.

Psychologische Psychotherapeuten (kurz "PP):

PPs haben ebenfalls eine Approbation erreicht und sind psychotherapeutisch tätige Psychologen, die sich auf die Behandlung von Erwachsenen mit psychischen Erkrankungen spezialisiert haben.

PPs haben ein vollständiges Psychologiestudium absolviert und, ähnlich wie KJPs, eine postgraduale fachkundliche Weiterbildung durchlaufen, die ebenfalls Weiterbildungsabschnitte in Psychiatrien, psychiatrischen Praxen und Beratungsstellen umfasst. Auch diese Berufsgruppe hat an den Wochenenden Theorieseminare besucht und selbstständig unter Supervision Patienten behandelt. Ihre Weiterbildung umfasst ebenfalls 4200 Arbeitsstunden, dauert zwischen 3 und 5 Jahren, und auch sie sind als Fachärzten (für die Behandlung psychischer Störungen im Erwachsenenalter) gleichgestellt anzusehen.

Da sowohl KJPs als auch PPs nur mittels psychotherapeutischer Behandlungsmethoden arbeiten, liegt der Schwerpunkt beider Ausbildungen ausschließlich auf nicht-medikamentösen, gesprächs- und spielorientierten Behandlungsformen.

Kinder- und Jugendpsychiater und Psychiater

Kinder- und Jugendpsychiater und Psychiater sind Fachärzte mit einem vollständig absolvierten Medizinstudium und einer fachärztlichen Spezialisierung im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie, bzw. Psychiatrie (Ausrichtung auf psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter).

Diese Berufsgruppen sind also, im Gegensatz zu den allermeisten KJP und PP, im Grundberuf Mediziner. Grundsätzlich sind Kinder- und Jugendpsychiater und Psychiater psychotherapeutisch ausgebildet, jedoch umfasst ihre fachärztliche Weiterbildung auch die medikamentöse und sonstige medizinische Behandlung psychiatrischer Erkrankungen. Der Schwerpunkt der Weiterbildungen von Kinder- und Jugendpsychiatern und Psychiatern liegt daher nicht immer so umfassend im Bereich nicht-medikamentöser gesprächs- und spielorientierter Behandlungsmethoden, wie es bei KJPs und PPs der Fall ist.

Die Kombination medikamentöser und nicht-medikamentöser Behandlungsmethoden ist bei vielen psychischen Erkrankungen der erfolgversprechendste Weg. Im Idealfall arbeiten daher KJPs und Kinder- und Jugendpsychiater, bzw. PPs und Psychiater, eng bei der Behandlung Betroffener zusammen.

Da die bisher genannten Berufsgruppen staatlich anerkannte wissenschaftlich fundierte Weiterbildungsmaßnahmen in definiertem Umfang sowie eine Approbationsprüfung in ihrem jeweiligen Fach absolviert haben, sind sie grundsätzlich dazu qualifiziert, eine Kassenzulassung zu erhalten und direkt mit allen Krankenkassen abzurechnen. Aufgrund der Beschränkung von Kassensitzen zur Behandlung gesetzlich Versicherter ist dies praktisch jedoch nicht immer der Fall (weitere Informationen dazus. hier). Sie beherrschen Behandlungsmethoden, die von Krankenkassen aufgrund der klaren wissenschaftlichen Fundierung ihrer Wirksamkeit bezahlt werden. Dies gilt nicht in gleichem Maße bei  

Heilpraktikern für Psychotherapie

Für den Abschluss "Heilpraktiker für Psychotherapie" ist eine staatliche Heilpraktikerprüfung erforderlich. Insofern sind Heilpraktiker für Psychotherapie nicht vollständig "unausgebildet" oder "ungelernt" - sie müssen besagte Prüfung bestanden haben. 

Die Ausbildungen, die zur Vorbereitung auf diese Prüfung meist von privaten Einrichtungen angeboten werden, sind jedoch nicht annähernd so umfangreich wie die der bisher genannten Berufsgruppen. Ein einschlägiges Studium als Grundlage ist nicht notwendig. Die Ausbildung umfasst nicht zwingend Praktika in Psychiatrien oder Praxen, mitunter reichen bereits Fernstudienlehrgänge - oder auch lediglich das Bestehen der Heilpraktikerprüfung. Die Behandlungen durch Heilpraktiker für Psychotherapie werden daher i.d.R. auch nicht durch gesetzliche Krankenkassen gezahlt oder erstattet.

Noch einmal pointiert:

Während KJPs, PPs, Kinder- und Jugendpsychiater und Psychiater eine 8-12 Jahre (!) dauernde intensive Ausbildung nach wissenschaftlichen Standards durchlaufen, haben Heilpraktiker für Psychotherapie im Extremfall lediglich die Heilpraktikerprüfung (auf eigene Faust gelernt) bestanden. Dies gibt immer wieder Anlass zu scharfen Kontroversen zur Qualitätssicherung (s. beispielsweise hier).

All dies bedeutet nicht, dass es unter Heilpraktikern für Psychotherapie keine guten Therapeuten geben kann. Das Risiko, an jemanden zu geraten, der schlecht ausgebildet ist, ist jedoch deutlich erhöht.

Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und systemische Therapie

Diese Begriffe bezeichnen historisch begründete therapeutische Grundausrichtungen, nach denen alle Behandelnden arbeiten können. KJPs, PPs, Kinder- und Jugendpsychiater und Psychiater entscheiden sich zu Beginn ihrer postgradualen Weiterbildungen meist für eine Grundausrichtung. In meinem Fall ist dies die Verhaltenstherapie.

Die vier genannten Grundausrichtungen gehören zu den sogenannten "Richtlinienverfahren", die als wissenschaftlich fundiert und in ihrer Wirksamkeit umfassend geprüft gelten. Nur für diese Verfahren übernehmen Krankenkassen die Behandlungskosten (Stand November 2018: Die systemischen Verfahren haben erst kürzlich diesen Status erlangt, so dass bzgl. der genauen Abrechnungsmodalitäten noch Unsicherheiten herrschen mögen).

Rückführungstherapien, Geistheilung, Craniosakrale Psychotherapie.....

Diese Ansätze gehören überwiegend in den Bereich der Esoterik, sicherlich jedoch nicht in den Bereich der psychotherapeutischen Verfahren, die ihre Wirksamkeit in wissenschaftlichen Studien unabhängiger Forschungsgruppen unter Beweis gestellt haben.

KJPs, PPs, Kinder- und Jugendpsychiater sowie Psychiater dürfen nur Verfahren durchführen, die als wissenschaftlich fundiert gelten (derzeit Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und systemische Therapie). Heilpraktiker für Psychotherapie unterliegen diesem Gesetz nicht und dürfen grundsätzlich ungeachtet von Wirksamkeitsnachweisen auch anderen Ansätzen wie den oben genannten nachgehen.

Während viele Therapien aus dieser Kategorie möglicherweise nicht direkt den Patienten schädigen, schaden sie jedoch häufig indirekt - nämlich indem die Beschäftigung hiermit Betroffene von der Inanspruchnahme tatsächlich wirksamer Verfahren abhält. Dies kann zu einer Chronifizierung der psychischen Störung und natürlich zu einem deutlichen Motivationsverlust gegenüber Psychotherapie im Allgemeinen führen. "Erst einmal sowas ausprobieren" ist daher grundsätzlich nicht empfehlenswert.