Menü

Depressionen im Kindes- und Jugendalter

Fachleute sind sich einig, dass auch Kinder und Jugendliche unter einer klinisch relevanten Depression leiden können. Nach aktuellen Schätzungen sind derzeit etwa 2% der Kinder im Grundschulalter betroffen. Im Jugendalter steigt der Prozentsatz deutlich auf ca. 10-20 % an (vgl. hier).

Kinder zeigen meist andere depressive Symptome als Erwachsene. Während Erwachsene häufig eine traurige, leere oder stumpfe Gefühlslage beschreiben, sprechen Kinder eher selten über ihre Stimmung. Stattdessen zeigen Kinder, die unter einer Depression leiden, häufig eine reizbare Stimmung - sie ärgern sich sehr schnell und schon bei kleinsten Anlässen und verfallen danach oft in Traurigkeit. Interesselosigkeit und Freudlosigkeit gegenüber Dingen, die den Kindern vorher Spaß gemacht haben, kann ebenfalls ein Hinweis auf eine depressive Verstimmung sein. Viele Kinder zeigen außerdem körperliche Symptome wie unerklärliche Schmerzen oder Schlafstörungen.

Jugendliche, die an einer Depression erkrankt sind, zeigen ähnlich wie betroffene Erwachsene häufig eine abgeflachte Stimmungslage. Das bedeutet, dass sie sich nicht unbedingt nur traurig fühlen, sondern meist nichts oder nur wenig Gefühle empfinden. Typisch für eine depressive Stimmungslage im Jugendalter sind Selbstverletzungen ("Ritzen"). Hinzu kommt meist eine deutliche Antriebsschwäche, die zu sozialem Rückzug führen kann, und körperliche Symptome wie Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten, vermehrtes oder vermindertes Essen, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder vermehrtes Suchtverhalten. Das Gefühl von Leere und Traurigkeit führt oft zu Hoffnungslosigkeit, die Suizidabsichten und Suizidversuche hervorrufen kann. Suizide sind bei Jugendlichen die zweithäufigste Todesursache (s. hier).

Ob bei einem Kinder oder Jugendlichen eine Depression, und nicht "nur" eine entwicklungstypische Krise oder Stimmungsschwankung, vorliegt, ist nicht leicht festzustellen. Eine solche Diagnose sollte nur von Fachleuten mit besonderem Wissen und Expertise im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie und -psychiatrie sowie Kinder- und Jugendmedizin gestellt werden.

Depressionen sind nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch im Kindes- und Jugendalter sehr gut behandelbar. Die medikamentöse Therapie spielt im Kindes- und Jugendalter dabei eine weniger bedeutsame Rolle als im Erwachsenenalter. Psychotherapie hat sich als äußerst wirksam in der Behandlung von Depressionen erwiesen und wird von Experten als Behandlungsmethode der ersten Wahl gesehen (vgl. hier). Die Verhaltenstherapie hat hierzu bisher die meisten Wirksamkeitsnachweise erbracht (ebd.). Unterstützend können sportliche Aktivitäten und Verfahren zur Stressreduktion hilfreich sein. Wichtig bei allen psychotherapeutischen Behandlungsformen ist es, diese genau und ganzheitlich auf das individuelle Kind und seine Familie abzustimmen.