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Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen

"Sind Ängste nicht normal?"

Klar, Ängste sind völlig normal!

Das Gefühl Angst gehört zum menschlichen Leben dazu. Ängste haben wichtige Funktionen für uns. Sie warnen uns vor gefährlichen Situationen, halten uns von Risiken fern und gewährleisten unser Überleben.

Die Evolution hat es so eingerichtet, dass wir mit der Fähigkeit, Angst zu empfinden, geboren werden. Säuglinge und kleine Kinder sichern sich dank dieser Fähigkeit ihre eigene Existenz, indem sie beispielsweise ängstlich schreien, wenn sie von ihren Bezugspersonen getrennt werden. Ängste vor Höhen oder bestimmten Tieren (z.B. Spinnen oder Schlangen) haben uns über Jahrtausende das Leben gerettet. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten werden deshalb niemals anstreben, Ängste gänzlich "wegzutherapieren". Das wäre weder wünschenswert noch möglich.

Ängste können jedoch so stark ausgeprägt und entwicklungsuntypisch sein, dass man von einer Angststörung sprechen muss. Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen des Kindesalters und betreffen etwa 10% der Kinder zwischen 7 und 17 Jahren (vgl. hier). Um festzustellen, ob ein Kind unter einer Angststörung leidet, ist eine genaue Diagnostik durch einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder -Psychiater nötig. Es gibt jedoch einige Hinweise, dass es sich bei den Ängsten eines Kindes um eine ausgeprägte Angststörung handeln könnte:

  • Das Kind geht nicht mehr in die Schule (bzw. auch nach langer Eingewöhnungsphase nicht in den Kindergarten).
  • Das Kind schreit, schlägt um sich, tritt, und weint, wenn es mit der angstauslösenden Situation konfrontiert wird.
  • Das Kind vermeidet bestimmte Situation (z.B. es besucht andere Kinder nicht mehr, möchte nicht mehr woanders übernachten, kann nicht mehr alleine zu Hause bleiben).
  • Das Kind äußert, meist in Zusammenhang mit den Angstauslösern, körperliche Symptome (z.B. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schwindel, Übelkeit).
  • Das Kind leidet an Schlafstörungen, Müdigkeit oder Verspannungen.

Diese Auflistung legt bereits nahe, dass Angststörungen unbedingt behandelt werden sollten, da sie das Leben eines Kindes oder Jugendlichen erheblich einschränken können. Wichtige Entwicklungsschritte in Richtung auf eine zunehmende Selbstständigkeit können bei Vorliegen einer Angststörung häufig nicht ergriffen werden, so dass das gesamte Leben negativ beeinflusst werden kann. Das Therapieverfahren, das derzeit bei der Behandlung von Angststörungen die meisten Wirksamkeitsnachweise erbracht hat, ist die kognitive Verhaltenstherapie.

"Und wo kommt das her?"

Die Frage nach den Ursachen einer psychischen Störung ist immer sehr schwierig zu beantworten.

Epidemiologische Studien untersuchen, ob bestimmte Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Störung zu erkranken, erhöhen. Diese Studien werden an großen Stichproben von Eltern und Kindern über lange Zeiträume durchgeführt. Die Ergebnisse sind so zu verstehen, dass die Risikofaktoren, die die Forschungsgruppen finden, in diesen Stichproben gehäuft vorkamen. Dazu gehören zum Beispiel besondere schlimme auslösende Ereignisse (z.B. Tod, Scheidung, Trennung, Krankheit), ein eher ängstliches, zurückhaltendes und gehemmtes Grundtemperament, Erziehungsfaktoren (z.B. Überbehütung), genetische Faktoren oder auch biochemische Veränderungen im Gehirn (z.B. des Serotoninsystems; vgl. hier).

Die Ergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass diese Risikofaktoren in jedem Einzelfall immer vorgekommen sein müssen. Die Ursachen können individuell sehr unterschiedlich sein. In einer Therapie wird versucht, nach den individuellen Ursachen zu suchen und neues Verhalten einzuüben.